Abspannen im Paradiespark. © Stadt Jena, Foto: Jens Hauspurg

Stele zur Judenverfolgung und KZ-Zwangsarbeit in Jena

Der Jenaer Stadtrat beschloss unter dem Titel „Gedenken, Erinnern, Aufarbeiten“ ein langfristiges Konzept zur Auseinandersetzung mit der lokalen NS-Geschichte. Im Zuge seiner Umsetzung wurde 2014 eine Stele an der Löbstedter Straße 56 aufgestellt.

Sie erinnert zum einen an Jenaer Juden, die auf Geheiß des Jenaer Oberbürgermeisters nahe des Standorts interniert worden waren. Zum anderen markiert die Säule das Areal des KZ-Außenlagers „RAW Jena“, das von der Deutschen Reichsbahn zur Zwangsarbeit von Buchenwald-Häftlingen eingerichtet wurde.

Kontakt

Stadthistoriker
Dr.  Rüdiger  Stutz
PF 100 338, 07703 Jena
Am Anger 26
07743 Jena

Tel. 03641 49-2262
Mobil 0162-2663232
Fax 03641 49-5035
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Unweit dieser Stelle standen zu Beginn der 1940er Jahre neun zu Behelfsunterkünften umgebaute Eisenbahnwagen (1). Hier mussten jüdische Einwohner Jenas auf Anordnung der Stadtverwaltung leben, bis sie 1942/43 deportiert wurden. Niemand von ihnen überlebte die Ghettos und Lager im besetzten Osteuropa.


Auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtete das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) ab 1940 ein Barackenlager, zunächst für wolhyniendeutsche Arbeiter. 1942 erfolgte die Belegung des Lagers mit russischen Zwangsarbeitern.

Auf Weisung des Reichsverkehrsministeriums ließ es die Deutsche Reichsbahn im Herbst 1944 zu einem der ca. 140 Außenlager des KZ Buchenwald ausbauen. Es wurde mit dem Bau von zwei weiteren Massivbaracken begonnen. SS-Männer und ein Elektrozaun sicherten das KZ-Außenlager (2), das aber für Passanten einsehbar und vielen Bürgern Jenas bekannt war.

Über 1.000 Häftlinge mussten im nahen RAW (3) in Zwölf-Stunden-Schichten Waggons reparieren – schwere Zwangsarbeit für einen militärisch längst verlorenen Krieg. Fast die Hälfte der Gefangenen stammte aus der Sowjetunion, ein Viertel aus Polen, etwa 130 waren Franzosen. Zwei russische Häftlinge wurden am 06.01.1945 nach einem missglückten Fluchtversuch auf dem Appellplatz hingerichtet.

Anfang April 1945 erfolgte die Zwangsräumung des Lagers. Zahlreiche Häftlinge fielen auf ihrem Leidensweg über das KZ-Außenlager Colditz bis zum heutigen Litoměřice den Schlägen und Schüssen der SS zum Opfer. Andere starben an Erschöpfung.



  • Kartenausschnitt von der Stele

  • 23.12.1943: Westlich der beiden kreisförmigen Behälter des Gaswerks ragen die Richthallen des RAW Jena hervor, einige Eisenbahnwagen stehen zur Reparatur bereit. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erkennt man zwei größere und eine kleinere Baracke für Zwangsarbeiter aus Osteuropa.

  • 04.04.1945: Die Großbaracken des KZ-Außenlagers wenige Tage vor dem schweren Bombenangriff auf das Areal um den Saalbahnhof. Wie an einer Schnur reihen sich nordwestlich davon die Behelfswohnungen des sogenannten Waggonlagers auf. Die Zwangsräumung des Häftlingslagers begann zu dieser Zeit.

  • 10.04.1045: Das zu großen Teilen zerstörte RAW und der durch zahlreiche Bombertreffer zerfetzte Schienenstrang nach dem Luftangriff vom 09.04.1945. Der Fußgängertunnel unter dem Bahndamm erhielt einen Volltreffer. Eine ganze Reihe deutscher und ausländischer Zivilarbeiter kam dabei ums Leben.

  • 04.06.1945: Das teilweise bereits geräumte Gelände des früheren KZ-Außenlagers kurz nach Kriegsende. Die unmittelbar an der Straße gelegenen Lagerbaracken waren während des Bombenangriffs beschädigt oder zerstört worden, ebenso einige Notunterkünfte des Waggonlagers an der Löbstedter Straße.

  • Entwurf der Stele


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