Zeiß, Abbe und Schott - Optische Traditionen in Jena
Wer einmal begonnen hat, sich mit Jenaer Geschichte zu befassen, den wird sie nicht mehr loslassen. Egal, in welches Jahrhundert man schaut, alle großen Persönlichkeiten, deren Namen wir damit verbinden, haben ihre Spuren in der Saalestadt hinterlassen. Wir wollen diese steckbriefartig hier vorstellen:
> Vom »Universitätsdorf« zur modernen Industriestadt
> Carl Zeiß
> Ernst Abbe
> Otto Schott
> Siegfried Czapski
Vom »Universitätsdorf« zur modernen Industriestadt
Jena war noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein kleines verträumtes Universitätsstädtchen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Im Jahre 1853 zählte es gerade einmal 6.505 Einwohner. Jena war bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts noch nicht aus den im Mittelalter angelegten Bebauungsgrenzen herausgewachsen. Es war winklig und eng mit hochgiebeligen, altmodischen Häusern, als reinlich gepriesen, weil das Leutrawasser, das in mehreren Kanälen die Stadt durchfloß, wöchentlich über die Straßen geleitet wurde. Um 1880 gab es noch eine Anzahl Bauernhöfe, außer mit Wohnhäusern waren viele Grundstücke mit Nebengebäuden und Schuppen bebaut. Die technische Modernisierung im »Universitätsdorf Jena« setzte 1856 mit der Errichtung der ersten Telegrafenstation ein. 1862 wurde das erste Gaswerk gebaut und damit die Einrichtung von Straßenbeleuchtung ermöglicht. Erst 1874 wurde Jena an das für die Industrieentwicklung wichtige Eisenbahnnetz angeschlossen, zunächst an die Saal-bahn, 1876 an die Strecke Weimar-Gera.Seine rasante Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert verdankte das kleine Universitätsstädtchen vielleicht dem »Glück des Tüchtigen«. Der Mechaniker Carl Zeiß wollte sich eigentlich in Weimar niederlassen, sein Gesuch wurde aber abgewiesen, da dort bereits zwei Mechaniker ansässig waren. In Jena hatte er mehr Erfolg und konnte 1846 sein Geschäft einrichten. Allein seine vortrefflichen handwerklichen Fähigkeiten reichten nicht aus, um die feinmechanisch-optische Produktion zu revolutionieren, es bedurfte der fruchtbaren, freundschaftlichen Zusammenarbeit mit Professor Ernst Abbe, die 1866 begann. Der dritte im Bunde wurde Otto Schott. Die Gründung des »Glastechnischen Laboratoriums Schott & Gen.« schuf die glastechnische Grundlage des Welterfolgs der optischen Erzeugnisse von Zeiss. Der Erfolg der Firma Schott gründete sich allerdings nicht nur auf optisches Glas, sondern auf eine Vielzahl von Gläsern, die Schott nach seinen Schmelzversuchen in einer bisher unbekannten Qualität herstellen konnte. Sein weltbekanntes Jenaer Glas zum Beispiel ist ein hitzebeständiges Haushaltsglas.
Beide Unternehmen konnten auf ein wirklich beeindruckendes Wachstum verweisen. Ihre Mitarbeiterzahlen stiegen sprunghaft an. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum.
Ernst Abbe legte nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen für den Welterfolg der Firma Zeiss, er wurde zum genialen Schöpfer der Carl-Zeiß-Stiftung, die zum einen den unternehmerischen Bestand der Firmen Zeiss und Schott auf Jahre sicherte, zum anderen aber auch einen großen Teil der Unternehmensgewinne für die Unterstützung der Unversität und die Schaffung sozialer und kultureller Einrichtungen in der Stadt Jena bereitstellte. Großartiges Beispiel ist der Bau unseres Volkshauses.
Die mit Abbes Hilfe gesicherte Stellung der Universität und das mit Lesehalle und Volkshaus entstandene kulturelle Zentrum verhalfen modernen kulturellen Reformideen zum Durchbruch, die Jena eine führende Rolle in der pädagogischen Entwicklung und in der Förderung moderner Kunst brachte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert galt Jena als »Aufstiegsuniversität«. Junge begabte Wissenschaftler wurden berufen und wirkten eine gewisse Zeit in Jena.
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Siegfried Czapski
* 1861 in Obra/Provinz Posen, † 1907 in JenaPhysik, Mathematik und Chemie studierte Czapski von 1879 an in Göttingen, Breslau und Berlin. Fünf Jahre darauf erlangte er die Doktorwürde und wurde noch im selben Jahr persönlicher Mitarbeiter von Ernst Abbe in Jena. Hier forschte der Physiker vorwiegend auf dem Gebiet des Prismenfeldstechers. Neben Schott und Abbe war Czapski Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Carl Zeiss.
Bereits Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde er in die Planung, den Bau und die Vorbereitung des inhaltlichen Lebens des zukünftigen Volkshauses einbezogen. Bedingt durch Abbes Gesundheitszustand lag bald das gesamte Volkshaus-Projekt beginnend mit dem Erwerb geeigneter Grundstücke am Rande des Zeiss-Geländes, über die Planung, die Begleitung des Architekten, die Durchführung des Baus und bis hin zur Wahl der künstlerischen Ausstattung in seinen Händen.