Bauhausmeister

Lange bevor sich das Bauhaus 1919 in Weimar gründete, machte der Jenaer Kunstverein die späteren Bauhausmeister Paul Klee und Wassily Kandinsky einem breiten Publikum mit Einzel- und Gruppenausstellungen bekannt.

Auch wenn sich die bildungsbürgerlichen Kunstgemüter anfangs an der gegenstandslosen Malerei erregten, entwickelten sich über die Jahre freundschaftliche Beziehungen und Verständnis. Gefeiert wurde Klees Vortrag Über moderne Kunst, den er anlässlich einer Ausstellung im Prinzessinnenschlößchen 1924 hielt und in dem er erstmals über seinen Schaffensprozess und seine künstlerischen Intentionen sprach.

Ideengeber für das ambitionierte Programm war Ausstellungsleiter Walter Dexel – ein Kunsthistoriker und Künstler, der sich als Mitgestalter eines umfassenden Kulturbegriffs sah. Dexel kam durch eine Heirat von München in die Saalestadt. Bereits 1914 hatte er sich den Pariser Kubisten und Futuristen angeschlossen, wenig später erweiterte sich sein Freundeskreis um Dadaisten wie Kurt Schwitters, Tristan Tzara, Hans Arp, Laszlo Moholy-Nagy und die Stijl-Gruppe um Theo van Doesburg. Das es ausgerechnet die Werbung war, mit der er nach seinem Abschied vom Bildermalen in den 20er Jahren den größten künstlerischen Erfolg hatte, ist der Neuartigkeit der gestalterischen Mittel geschuldet. Er kreierte dreidimensionale Leuchtobjekte, die stadtbildprägend wirkten.

Das Ausstellungsverzeichnis des Kunstvereins enthält neben Paul Klee und Wassily Kandinsky nahezu alle Namen der am Bauhaus in Weimar tätigen Meister. Als 1924 von Regierungsseite zum Generalangriff auf das Bauhaus geblasen wurde, beschloss Dexel, das gesamte Jahresprogramm mit Arbeiten aus der Gestaltungschule zu bestücken. Dabei erweiterte sich die traditionelle Ausstellungskultur um Baukunst, Fotografie, Design und Bühnenbild.
Neben den Malern wurden aber auch die Architekten vom Bauhaus in Jena geschätzt. Walter Gropius erhielt seinen ersten öffentlichen Bauauftrag in Thüringen 1921für den Umbau des hiesigen Stadttheaters. Unter Mitwirkung von Adolf Meyer schuf er einen kubischen Baukörper, der tragende und lastende Elemente nach ihrer Funktion auffasst. Das neuartige Gebäude faszinierte den Physiker Felix Auerbach offenbar so sehr, dass er ein privates Wohnhaus bei Gropius in Auftrag gab. 1927 ließ sich die aus Wien stammende Therese Zuckerkandl unter den Sonnenbergen ein funktionales Wohnhaus von Gropius projektieren. Ein Wohnhaus für Familie Dexel, das Adolf Meyer entworfen hatte, kam nicht zur Ausführung, weil die Verwaltung die Baugenehmigung verweigerte. Doch in der Folgezeit wurden mehrere Projekte des Neuen Bauens in Jena realisiert: ein Studentenhaus am Philosophenweg und das Abbeanum von Ernst Neufert und Otto Bartning, das Zeiss-Planetrium und weitere Industriebauten des Jenaer Architekturbüros Schreiter & Schlag, sowie Bauten im Zeiss-Hauptwerk von Emil Fahrenkamp.

Auf der Suche nach Partnern in der Industrie, um die berühmte Einheit von Kunst und Technik in die Tat umzusetzen, wurden Walter Gropius, Laszlo Moholy-Nagy und Gerhard Marcks im Jenaer Glaswerk fündig. Mit diesem Unternehmen gelang es, modernes Design als Massenprodukt herzustellen. Die Sintrax Kaffeemaschine von Marcks gehört heute ebenso zu den Designklassikern wie das Haushaltsgeschirr des Bauhausschülers Wilhelm Wagenfeld.

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