13.03.2010 - 23.05.2010

Poesie des Untergrunds.

Die Literaten- und Künstlerszene Ostberlins 1979 bis 1989

Plakat (Bild: Städtische Museen Jena)

Die Künstlerszene Ostberlins

war vor allem in den 1980er Jahren ein schillernder Mikrokosmos, der sich zwischen vielerlei Interessen bewegte und noch heute durch die Fülle und den Einfallsreichtum der beteiligten Künstler beeindruckt. In der Ausstellung werden 38 der wichtigsten Vertreter mit Ihren Werken vorgestellt.
Anders als die Generation der Autoren und Künstler vor ihnen war dieser Szene nicht mehr an einem Konsens mit den sozialistischen Verhältnissen und ihrer Vertreter gelegen. Sie wandte sich ab von jeder Art staatlicher Institution und ignorierte offiziell geführte Diskurse und vorgegebene Modelle.
Sie nutzten die zunehmende Unsicherheit des Staates und die sich dadurch öffnenden Freiräume. Ihre Netzwerke erlaubten ihr eine völlig neue Art der Kreativität, bei der Dichter, bildende Künstler, Fotografen, Bands und Zeitschriftenmacher in oftmals neuen Formen zusammen arbeiteten. Es gab Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Modenschauen oder Theateraufführungen in privaten Wohnungen, Ateliers und auf Dachböden oder Hinterhöfen im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg und es entwickelte sich eine eigenständige zweite Kultur, die ihren Niederschlag u.a. in den originalgrafischen Zeitschriften und in den zahlreichen Künstlerbüchern fand.
Diese Vielfalt der Aktivitäten abseits der üblichen Verabredungen wurde zum selbstbestimmten „Weg aus der Ordnung“ (Uwe Kolbe), der für jeden einzelnen völlig neue Freiräume für eigenständige, kreative Lebensformen barg. Diese sich mehr und mehr unabhängig verwirklichende Szene wurde für viele eine eindrucksvolle geistige Vorhut, die auf ihre Weise den Untergang des Systems vorweg nahm.
Neben Bildern, Plastiken, Zeichnungen und Fotografien werden historische Dokumente und zahlreiche persönliche Zeugnisse der einstigen Akteure vorgestellt.

Micha Brendel, Große Mannschaft, 1988 Micha Brendel, Große Mannschaft, 1988

Museumspädagogik/Familiensonntag:

2. Mai 2010, 11:00 Uhr
als Malen gefährlich war - das Leben der Künstler in der DDR

Kinder haben freien Eintritt



18. März 2010, 20.00 Uhr: Kunststück am Donnerstag

Endlich. Lesung mit Johannes Jansen (Berlin) und Animationsfilm "Stahlingrad" von Rainer Görsz mit Texten von Johannes Jansen.
1966 in Berlin geboren, gehörte Jansen zu den Protagonisten der literarischen Untergrundszene Ostberlins in den 1980er Jahren. Nach dem Mauerfall gelang es Jansen auch im wiedervereinigten Deutschland als Autor Fuß zu fassen: 1996 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis und wurde 1997 mit der Ehrengabe der Deutschen Schiller-Stiftung ausgezeichnet.



08. April 2010, 20.00 Uhr: Kunststück am Donnerstag

Ation-Aganda
Lesung mit Bert Papenfuß (Berlin)

20. Mai 2010, 20.00 Uhr: Kunststück am Donnerstag

Behauptung des Raumes. Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR
Dokumentarfilm über die unabhängige Kunstszene in der DDR
BRD 2009, Regie: Claus Löser, 100 min.
Einführung und Gespräch mit Claus Löser (Berlin)

29. April 2010, 20.00 Uhr: Kunststück am Donnerstag

ostPUNK - too much future
Dokumentarfilm über die Punkszene in der DDR

BRD 2007, 93 min.
Regie: Carsten Fiebeler, Michael Boehlke
Buch: Henryk Gericke, Michael Boehlke, Carsten Fiebeler
Einführung und Gespräch mit Henryk Gericke (Berlin)

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