11.03.2010 | 19:00 Uhr
Heinrich Böll und das Europa östlich des Eisernen Vorhangs
Ein Vortrag von Prof. Klaus Stiebert.
Prof. Klaus Stiebert (Dresden) erzäzhlt an diesem Abend die Geschichte dieser Beziehung über den Eisernen Vorhang hinweg.
Für Schriftsteller aus Osteuropa, die vor 1989 in ihren Ländern in Konflikt mit ihren Regierungen kamen, war er ein unersetzbarer Ansprechpartner, seine Wohnung oft erster Aufenthaltsort nach der Übersiedlung: Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, der als Kölner doch viel eher für eine intensive „Westbindung“ prädestiniert schien.
1974 befragte der ARD-Korrespondent Klaus Bednarz in Moskau Lew Kopelew und Heinrich Böll für das Fernsehen. Daraus wurde der Dokumentenband mit dem bezeichneten Titel „Warum haben wir aufeinander geschossen?“ Der Russe jüdischer Herkunft und der rheinische Katholik kannten die Kultur des jeweils anderen gut. Für den Obergefreiten der deutschen Wehrmacht Böll verstärkte sich die Sympathie im Schützengraben für die Russen, deren ältere Literatur er schon als 18jähriger schätzen lernte; der Major der Sowjetarmee kannte und liebte die deutsche Literatur. Fortan wollten beide „von dem, was war, und von dem was ist, die Wahrheit erzählen.“
Zahlreiche Begegnungen Bölls, als Präsident des Internationalen PEN oft liebevoll „der andere Deutsche“ genannt, mit Autoren in Moskau, Prag, Warschau, Berlin und Leipzig, nutzte der Westdeutsche zur Hilfe für die verfolgten Kollegen.
Im Rahmen der Bölltage 2010 der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen.
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