Winterliches Jena mit Saale. © Stadt Jena, Foto: Jens Hauspurg

Pressemitteilung vom 23.07.2010

Algen sind nicht von allen gemocht

Stadtratsmitglieder besuchten zwei Naturfreibäder

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Algen sind nicht nur grün. Sie sind auch glitschig auf dem Boden eines Schwimmbeckens. Vor allem aber: Algen sind nicht jedermanns Sache, wenn er sich im Bad erfrischen will. Zu dieser Erkenntnis kamen am Donnerstag, 22. Juli, Mitglieder des Jenaer Stadtrates, die gemeinsam mit Bürgermeister Frank Schenker nach Bielefeld und Mettmann gereist waren, um sich ebensolche Naturbäder anzuschauen, wie laut Beschlusslage eines in Jena im Ostbad entstehen soll.
Wolfgang Weiß, der Geschäftsführer der Jenaer Bädergesellschaft, hatte zu dem Ausflug eingeladen. „Als ich hier in Jena gestartet bin, war eigentlich alles klar: Ein Naturbad sollte gebaut werden. Weil ich bis dahin kein solches Bad kannte, habe ich mich umgetan und ebenfalls diese beiden Bäder besucht“, erzählte er. Und er sei überrascht gewesen, denn in jedem der Bäder war eine Vielzahl von Algen in den Becken auszumachen. Er hatte folglich die Stadtratsmitglieder eingeladen, schließlich geht es um 3,2 Millionen Euro, die ins Ostbad investiert werden sollen.
Den Jenaern, die sich aktiv an der Bürgerumfrage zur Zukunft des Ostbades beteiligt hatte ein Informationsblatt vorgelegen, dort stand bei der Beschreibung eines Naturfreibades „Algenbildung gering“. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bürger eine Vorstellung davon hatten“, sagte Wolfgang Weiß.
Sehr gepflegt, hübsche Anlagen, Sprungtürme, Rutschen, klares Wasser – der erste Eindruck ist ein sehr angenehmer, in beiden Bädern, die von der gleichen Firma gebaut wurden, die vermutlich auch in Jena den Zuschlag bekommen würde. Erst der zweite Blick offenbart, hier gibt es Algen im Wasser. Das Wasser lebt! Beckenboden und -wände sind grün von Algen. Und nach dem Schwimmen findet sich dieses und jenes Algenfädchen am Körper. Da werden die Gespräche mit den Schwimmmeistern zweitrangig. Klar, jeder Mitarbeiter in einem Naturbad hat jeden Tag damit zu tun, das Schwimmbecken von Algen zu säubern. Das bringt Personalkosten mit sich, auch die waren in dem Informationsblatt für die Umfrage nicht erfasst. Dort stand lediglich, dass die Betriebskosten für ein Naturbad geringer angesetzt werden als für ein Freibad mit Chlor-Wasseraufbereitung. Allerdings stand dort auch: ohne Personal.
Die Jenaer Stadträte zeigten sich am Ende ernüchtert.
„Wir sollten die Chance nutzen und überlegen, ob wir den Schleichersee so aufpeppen wie das Bad in Mettmann, angefangen von den eingehausten Abfallbehältern bis hin zum Grün rund um die Duschen. Das könnte ein attraktives Naturbad werden“, sagte Elisabeth Wackernagel (CDU). Martina Flämmich-Winckler (Linke) fügte hinzu: „Ich weiß nicht, ob die Bürger, die sich ein Naturbad wünschen, es gut finden, als Nixe mit dem Grünzeug am Körper aus dem Wasser zu kommen.“ In Bielefeld hätten die Badbesucher bei insgesamt acht Freibädern die Wahl zwischen Natur- und Chlorbad, in Jena wäre diese Chance vertan beim Umbau des Ostbades.
Die Algen im Wasser hätten ihm nicht gefallen, so Guntram Wothly (CDU). „Wir sollten in Jena beide Varianten anbieten: Naturbad und konventionelles Bad.“ Zudem sei es für ihn unattraktiv, dass in einem Naturbad das Wasser immer relativ kühl gehalten werden müsse. Dr. Marion Hippius (Bürger für Jena) sagte: „Ich hätte Angst um die Sicherheit der Badegäste wegen des glitschigen Beckenbodens. Wenn wir so etwas in Jena bauen würden, würde jeder sagen, dass dies eine Fehlinvestition war. Das Wasser in den Naturbädern war schön klar. Aber ich glaube, in Jena könnten wir den Schleichersee auf ein ähnliches Niveau bringen.“
„Den Nutzern werden die Algen nicht gefallen“, vermutete Norbert Comouth (CDU). Er habe auch Bedenken wegen der Keime im Wasser. Man müsse beim Schleichersee etwas tun, vielleicht auch eine Naturkläranlage anbauen, schilfbewachsen wie in den Naturfreibädern. Das Ostbad aber sollte weiter mit Chlor gereinigt werden.
„Ein Naturbad ist ein Bad für die, die so etwas Spezielles wollen. Das wurde mir hier bestätigt. Beim Umbau des Ostbades in Jena aber hätten wir keine Alternative mehr für die Leute, die eben kein Naturbad mögen, die sich von Algen abgeschreckt fühlen.“
Als „weniger störend“ bezeichnete Markus Giebe (SPD) die Algen im Schwimmbecken. Zumal es schwierig sei, die Diskussion in Jena neu aufzumachen, schließlich gebe es die Bürgerbefragung, einen Stadtratsbeschluss und einen Aufsichtsratsbeschluss bei der Bädergesellschaft.
Enttäuscht von der ganzen Fahrt war Sabine Teichgräber, die für den Förderverein Ostbad mitgereist war. „Wir haben zwei Negativbeispiele gesehen. Man sollte Betreiber suchen, die ihre Bäder algenfrei haben“, sagte sie.
Bürgermeister Frank Schenker (CDU) hofft, dass die Diskussion übers Ostbad sehr bald in den Fraktionen aufgemacht werde. „Mir hat die Landschaftseinordnung und die Wasserqualität der beiden Bäder, die wir gesehen haben, sehr gut gefallen.“ Beim Thema Algen allerdings: „Ich kann mir nicht vorstellen, die die Befürworter eines Naturbades das Bild im Kopf hatten, dass wir uns heute machen konnten. 'Algenbildung gering', davon hatte ich andere Vorstellungen.“ Auch er ist der Meinung, dass ein Naturbad eine Alternative sein sollte, für die Liebhaber einer solchen Badeart. Bei nur zwei Freibädern in Jena aber solle es schon auch ein Angebot geben für die, die blanke Fliesen und eben keine Algen mögen. Frank Schenker ist dafür, dass schnell eine Entscheidung fällt auf der Basis dessen, was sich die Stadtratsmitglieder in Bielefeld und Mettmann an Sachkenntnis holen konnten.
„Für uns ist eine schnelle Entscheidung wichtig“, sagte Bäder-Chef Wolfgang Weiß. Sicher, die Sanierung des Ostbades könne man noch ganz sicher ein Jahr schieben. Aber für die Bädergesellschaft wäre es wichtig zu wissen, wohin der Weg führt.
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