JMR-Lenz-Preis für Dramatik der Stadt Jena - Zur Geschichte des Preises
Der bedeutende Dramatiker und Theatertheoretiker Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 - 1792) nannte sich selbst einen "schiffbrüchigen Europäer". Seine Mutter entstammte der deutschen Oberschicht Livlands; sein Vater kam aus Preußen. Entscheidende Bildungserlebnisse hatte der junge Lenz im ostpreußischen Königsberg. 1776 kam Lenz nach Thüringen, wohl in der Hoffnung, am Weimarer Hof eine Anstellung zu finden. Die Weimarer Ereignisse, insbesondere die zerbrechende Freundschaft mit Goethe und der Bruch mit dem Hof, führten ihn in eine tiefe seelische Krise, aus der er sich zeit seines Lebens nicht mehr befreien konnte. Trotzdem gehörte die Thüringer Zeit zu seiner produktivsten Schaffensperiode. Es entstanden nicht nur eine Vielzahl von Gedichten, sondern auch der Briefroman "Der Waldbruder", das Drama "Henriette von Waldeck / Die Laube" oder das Dramolet "Tantalus". Nach seiner Flucht aus Weimar irrte er unstet von einem Ort zum anderen, wurde aber weder im Steintal, noch in Petersburg oder Moskau heimisch. "Dem Heimatlosen eine Heimat geben" ist das Motto der Bemühungen in Jena, einen städtischen Jakob-Michael-Reinhold-Lenz-Preis für Dramatik zu installieren. Der Preis verfolgt das Ziel, die Auseinandersetzung mit Dramatik zu befördern, wobei formal und inhaltlich keine unmittelbare Lenz-Rezeption bezweckt wird.
1996 - Der Stadtratsbeschluss
Mit einem Stadtratsbeschluß wurde im März 1996 der Preis installiert. Er wurde bisher zweimal verliehen. Einzige Bedingungen: das eingereichte Stück sollte nicht älter als zwei Jahre und mußte in deutscher Sprache abgefaßt sein.1997
Die erste Ausschreibung, auf die 69 Bewerbungen eingingen, mußte auf Beschluß der Jury wiederholt werden, weil keines der eingereichten Stücke preiswürdig war. Auf den Passus in der Ausschreibung, dass das Stück unveröffentlicht sein soll, wurde nunmehr verzichtet.Auf die Neuausschreibung hin erfolgten 282 Bewerbungen. Der Jury gehörten damals 7 Mitglieder an: der Dramatiker Volker Braun, der Schauspieler Peter Rauch vom DNT Weimar, Prof. Dr. Gerhard Kaiser von der FSU Jena, Knut Lennartz von der Deutschen Bühne (Köln), Harald Müller vom Theater der Zeit (Berlin), Bettina Masuch vom Theaterhaus Jena und Birgit Liebold vom Kulturamt Jena .
2000
Insgesamt sind zum Wettbewerb 206 Texte zur Bewertung vorgelegt worden: 35 aus Österreich, 2 aus der Schweiz, jeweils eine aus Italien und Großbritannien, die übrigen aus Deutschland.Die 5 Juroren - Knut Lennartz von der Deutschen Bühne (Köln), Barbara Engelhardt vom Theater der Zeit (Berlin), Prof. Dr.Gottfried Willems von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Frank Kroll vom Jenaer Theaterhaus und Birgit Liebold vom Kulturamt Jena - haben die Stücke in 2 Etappen bewertet, die folgenden 20 Stücke haben es bis in die Endrunde geschafft.
Achminow, Nina: Pawelke
Bug, Alexis: Nicht nach Berkeley
Buhs, Werner: Friedrich Grimm - Ein Weg
Danckwart, Gesine: Traummaschine
Gieselmann, David: Herr Kolpert
Keil, Shenja: Wildfremd
Kissel, Vera: Mondkind
Lipfert, Oswald: Hope wie Hoffnung
Martin, Christian: Formel Einzz
Niehaus, Thomas Oliver: Blut und Baden
Özdamar, Emine Sevgi: Keloglan in Alamania
Schmidt, Almut Tina: Die Unbeteiligten
Schulte, Anna Jelena: Kama Koma
Tanner, Katharina: Alles Liebe
Trolle, Lothar: Novemberszenen
Tschlaki, Ilja: Unsere Asche streut man über die Erde...
von Düffel, John: Missing Müller
Winter, Mona: Ich, eine von Dir
Woelfl, Robert: Dem Herz die Arbeit, den Händen die Liebe
Zeller, Felicia: Bier für Frauen
In einer ganztägigen Klausurtagung Anfang Oktober 2000 wurden vier Stücke - "Pawelke" von Nina Achminow, "Alles Liebe" von Katharina Tanner, "Novemberszenen" von Lothar Trolle und "Dem Herzen die Liebe, den Händen die Arbeit" von Robert Woelfl - nominiert, die erstmalig an zwei kompakten Werkstatttagen, 3. und 4. November 2002, mit szenischen Lesungen und Autorengesprächen der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Gastgeber war das Theaterhaus Jena, das gemäß der
ursprünglichen Intention des Preisstifters - der Stadt Jena - den Dramatikpreis künftig in eine noch größere Nähe zu den eigenen Bemühungen um das moderne Theater rücken möchte.