13.05.2017 - 13.08.2017

Wolfgang Mattheuer. Zum 90. Geburtstag

Zeichnungen | Sammlung Peter Mathar

(Bild: Kunstsammlung Jena)

Vernissage: Freitag, 12. Mai 2017, 20 Uhr

Presserundgang: Freitag, 12. Mai 2017, 11 Uhr
Wolfgang Mattheuer, Selbst, 1998, Bleistift, Lackfarbe auf Karton, VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Wolfgang Mattheuer, Selbst, 1998, Bleistift, Lackfarbe auf Karton (Bild: Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Der „Chronist“ und „Bildermacher“ Wolfgang Mattheuer

wird am 7. April 1927 in Reichenbach (Vogtland) geboren und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Leipziger Schule. Der Sohn eines Buchbinders absolviert zunächst eine Lehre als Lithograf und nimmt erste Zeichenstunden. Nach Krieg und Gefangenschaft besucht er 1946 die Kunstgewerbeschule in Leipzig, wo er seiner späteren Frau Ursula Neustädt begegnet. 1947 wechselt er an die Hochschule für Graphik und Buchkunst und lehrt ab 1952 für mehr als 20 Jahre an der Leipziger Schule. Während jener Zeit entwickelt Mattheuer die Grundbausteine eines originären Werkes, das sich formal an Künstlern wie Fernand Leger, Picasso und Otto Pankok orientiert, aber alsbald eigenständigen Ausdruck gewinnt. Mattheuer hat den Expressionismus verinnerlicht, sein Ausdruck ist sachlich und tastet die Bedingtheiten seines eigenen Lebens und Erlebens ab. Er ist ein ruheloser Moralist, einer der die Realität an seinen Überzeugungen spiegelt und zugleich auch ein Romantiker, einer der die Ferne liebt und weiß, dass Zäune nicht nur einengen, sondern auch das Denken verengen. Gartenlauben und offene Horizonte sind Synonyme einer Bildsprache, die sich dem Sozialistischen Realismus verweigert und den Resonanzraum der eigenen Existenz abklopft. Mattheuer stellt Fragen, ringt um Antworten, lässt uns teilhaben und weiß, das nichts von allem endgültig ist.

Wolfgang Mattheuer, Und die Flügel ziehen himmelwärts, 1979, Kugelschreiber, Faserstift, Tusche auf Papier, Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Wolfgang Mattheuer, Und die Flügel ziehen himmelwärts, 1979, Kugelschreiber, Faserstift, Tusche auf Papier (Bild: Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Früh etabliert sich die Landschaft

als wichtiger Teil seines Werks. In den 1970er-Jahren schafft Mattheuer zunehmend sinnbildhafte Landschaften, die oft mit mehrdeutigen symbolischen Figuren besetzt sind. Immer wiederkehrende Themen sind Motive der griechischen Mythologie, wie das Drama des aus seinen Flugträumen gerissenen Ikarus sowie Szenen, in denen die Beengung der Menschen, etwa auf Inseln, thematisiert wird. Oft erst auf den zweiten Blick entschlüsselt sich diese Doppelbödigkeit in seinen Arbeiten und es bleibt dem Betrachter überlassen, welche gesellschaftlichen Zustände er mit einer sinnlosen Sisyphusarbeit gleichsetzt und welche Erkenntnisse er aus verrätselten Allegorien und Gleichnissen ableitet. Ab 1971 beschäftigt sich der Künstler auch mit plastischen Arbeiten. Bedeutend ist vor allem die überlebensgroße Bronze „Der Jahrhundertschritt“ von 1984, mit der er eine wenig optimistische Bilanz der gesellschaftlichen Widersprüche des 20. Jahrhunderts zieht.

Wolfgang Mattheuer, Denn, so lebt der Mensch, 1978, Bleistift, Tusche, Aquarell auf Papier, Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Wolfgang Mattheuer, Denn, so lebt der Mensch, 1978, Bleistift, Tusche, Aquarell auf Papier (Bild: Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung, Leipzig VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Mit dieser Ausstellung

möchten wir Wolfgang Mattheuer ehren, der zu den bedeutendsten Künstlern Deutschlands in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zählt und in diesem Jahr 90 Jahre geworden wäre. Mattheuer war nicht nur Maler, Grafiker und Plastiker, sondern auch ein unermüdlicher Zeichner. Die Ausstellung versammelt 100 Zeichnungen aus der Sammlung Peter Mathar, die sich ausschließlich auf diesen Bereich des Werkes konzentriert. Für die großzügige Leihgabe danken wir herzlich.

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Faltblatt zur Ausstellung (3.7 MB)
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