Abspannen im Paradiespark. © Stadt Jena, Foto: Jens Hauspurg

Havemann - Dialektik ohne Dogma

In seiner Vorlesungsreihe Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme, die Robert Havemann als Professor für Physikalische Chemie an der Berliner Humboldt-Universität im Wintersemester 1963/64 hielt, forderte er dazu auf, die marxistische Dialektik nur noch als erkenntnistheoretisches Instrument anzu­wenden und nicht mehr als ein einengendes Dogma, das die Realität nur ungenau erfasste.

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Denkmalinschrift Havemann
Denkmalinschrift Havemann
© Stadt Jena

Rezeption seiner Vorträge

Viele folgten den Vorträgen mit Spannung, denn diese Gedanken öffentlich zu äußern, war ungewöhnlich. Als Havemann das Manuskript unter dem Titel Dialektik ohne Dogma zusammen mit einem DDR-kritischen Interview beim Rowolt-Verlag Hamburg veröffentlichte, wurde seine Berufung als Professor zurückgezogen und er entlassen.

Bereits Ende August 1963 war er wegen öffentlicher Parteikritik aus der SED-Leitung der Universi­tät ausgeschlossen worden. Bis dahin hatte er in der DDR eine mustergültige Funktionärslaufbahn absol­viert.

"Neu Beginnen", Verhaftung und Eintritt in die SED

1910 in München geboren, studierte Havemann in München und Berlin Chemie und promovierte 1935. Er beteiligte sich an der Arbeit der linken sozialdemokratischen Widerstandsgruppe Neu Beginnen und später in der Gruppe Europäische Union, die sich für ein vereinigtes, linkes Europa einsetzte.

1943 wurde er verhaf­tet und zusammen mit 13 anderen Angeklagten zum Tode verurteilt. Aufgrund seiner kriegswichtigen For­schungen wurde die Vollstreckung jedoch aufgeschoben.

Nach dem Krieg war er zunächst in Westberlin tätig gewesen. Seine Arbeit an dem im amerikanischen Sek­tor gelegenen Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem endete 1950 durch eine fristlose Entlassung.

Havemann war seit 1949 für den ostdeutschen Kulturbund Mitglied des deutschen Volkskongresses, des Vorläufers der DDR-Volkskammer und polemisierte gegen die amerika­nische Wasserstoffbombe. Die Berliner Humboldt-Universität, die in Ostberlin lag, übertrug ihm daraufhin die Leitung des Instituts für Physikalische Chemie.

Havemann trat 1951 der SED bei und unterstützt ihre Po­litik, so beispielsweise die Kampagne gegen Jungen Gemeinden und christliche Studenten. Ermutigt durch die 1956 – wenn auch zögerlich beginnende – Entstalinisierung in der Sowjetunion, bezog er zunehmend kritische Positionen gegenüber der SED-Politik.


Kritisches Engagement

In seinen Leipziger Vorträgen bezeichnete er 1962 das ideologische Korsett, das Parteifunktionäre an philosophisches Denken legten, als ein Grundpro­blem der Zeit. 1964 legte das MfS einen Aktenvorgang gegen Havemann an.

Nach Entlassung als Professor und Ausschluss aus der Akademie der Wissenschaften 1964/65 versuchte er, seine Ideen über Westmedien zu verbreiten und knüpfte Verbindungen zu kritischen Künstlern wie Jürgen Fuchs und Wolf Biermann. Als er 1976 gegen dessen Ausweisung protestierte, wurde er bis 1979 mit Haus­arrest belegt.

Ungeachtet dessen gelang es ihm aber, sich in öffentliche Diskussionen einzubringen. 1982 veröffentlichte er zusammen mit dem Pfarrer Reiner Eppelmann den "Berliner Appell", einen von der Frie­densbewegung in Ost und West viel beachteten Abrüstungsaufruf. Am 9. April 1982 starb Havemann in Grünheide.

KGB und Stasi-Tätigkeit

Nach Öffnung der Stasi-Archive wurde auch seine jahrelange Tätigkeit für den KGB und das MfS bekannt. Robert Havemanns Leben wird wegen seines jahrelangen Engagements für ein freies Leben in einer freien Gesellschaft und wegen seiner Versuche, eigene Fehler einzugestehen und zu korrigieren, auch von Opfern der SED-Diktatur geehrt.


  • Bernd Florath und Werner Theuer: Robert Havemann Bibliographie. Berlin 2007.
  • Bernd Florath und Werner Theuer: Robert Havemann. Biographie. Chronik. Dokumente. Berlin 2007.



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