Ansicht des Verwaltungsgebäudes Am Anger 15. © Stadt Jena, Foto: Jens Hauspurg

1945

Bombenangriffe auf Jena • Sprengung der Saalebrücken • Besetzung der Stadt • Neue Oberbürgermeister • Schulbeginn • Wiedereröffnung der Universität • Grete Unrein verstorben • Gründung der Hilfsaktion "Thüringer Aktion gegen Not"

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Stadtchronist
Jürgen  Jache
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07743 Jena

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Fax 03641 49-5035
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Unterm Markt 1
Unterm Markt 1
© Stadtarchiv Jena / Foto: Stadtarchiv Jena

1. Januar

Zum Beginn des Jahres leben in Jena, die Flüchtlinge und Zwangsarbeiter inbegriffen, 79.276 Menschen.

9. Februar

Bei dem schweren Bombenangriff auf Jena sind ca. 100 Tote, über 50 Schwer- und über 200 Leichtverletzte zu beklagen. 26 Gebäude werden komplett zerstört, 21 schwer und 259 mittelschwer bis leicht beschädigt. Über 100 Personen werden dabei verschüttet, 34 als vermisst gemeldet!

Betroffen ist besonders die Jenaer Altstadt und das Nordviertel. Unter den zerstörten Gebäuden befinden sich neben zahlreichen Wohnhäusern auch Universitätsbibliothek, Kollegienkirche, Griesbachhaus, Nordschule, das Botanische Institut und das Haus Unterm Markt 1, in welchem Goethe und Schiller 1794 ihre Dichterfreundschaft schlossen.

23. Februar

Bei einem Bombenangriff mit ca. 150 Sprengbomben wird vorwiegend das Gebiet um den Nordfriedhof bis nach Löbstedt getroffen. Auf Grund der geringen Bebauung halten sich die Schäden in Grenzen.

10. März

Am Abend werden 12 Bomben abgeworfen. Betroffen sind Lichtenhain, Beutenberg, Kahlaische Straße und die Stadtmitte.

17. März

Bei einem halbstündlichen Luftangriff auf Jena werden ca. 400 Sprengbomben vor allem auf Jena-Ost, das Zeiss-Südwerk und das Schottwerk abgeworfen. Unter den 133 Toten befanden sich auch zahlreiche ausländische Zwangsarbeiten und Häftlinge!

19. März

Bei einem schweren Bombenangriff wird die Jenaer Innenstadt besonders getroffen. Etwa 200 große Bombenflugzeuge werfen innerhalb von 15 Minuten ca. 800 Brand-, Phosphor- und Sprengbomben über Jena ab. Mehr als 140 Tote, 100 Schwer- und Leichtverletzte und über 8 000 Obdachlose werden anschließend gezählt.
Betroffen sind auch die Ortsteile Winzerla, Wöllnitz, Lobeda und das Kernbergviertel. 54 Gebäude waren anschließend total zerstört, 82 Gebäude schwer, 16 mittelschwer und 289 leicht beschädigt.
Das Stadtmuseum und seine Zweigstelle, der Siedlungshof, vermelden große Verluste: Von den 25 000 Objekten blieben nur ca. 4000 Stück erhalten.
Ebenso zerstörerisch wirkt sich der Angriff auf die Stadtbank, das Physiologische Institut, das Chemische Institut für Mineraloptik, das Postamt, den Burgkeller, die Neuenhan´sche Druckerei, das Chemische Laboratorium der Firma Zeiss, das Universitätsgebäude sowie die Stadtkirche aus, welche durch das in der Stadt entfachte Feuer ausbrennt!


3. April

Der Rektor der Friedrich - Schiller - Universität, ein Vertreter der nazistischen Rassenlehre, Prof. Dr. Karl Astel, begeht in seinem Dienstzimmer Selbstmord durch Erschießen.

Am gleichen Tag erfolgt der Abtransport der im Außenlager Jena (Reichsbahnausbesserungswerk) befindlichen ca. 900 Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald nach Colditz.

9. April

Letzter großer Bombenangriff US-amerikanischer Bomber auf Jena: Dabei werden u.a. der Saalbahnhof, die Häuser Spitzweidenweg 18 und 20, das Jenaer Gaswerk sowie das große Kohlelager zerstört. Ebenfalls schwer getroffen sind das Gymnasium, die Ohrenklinik und das Mathematische Institut. Mehr als 100 Menschen kommen dabei ums Leben.

11. April

Von Großschwabhausen kommend werden über 4 000 Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald von der SS durch Jena getrieben. Dabei erschießt die SS-Wachmannschaft in den Straßen der Stadt entkräftete Häftlinge!

Obwohl schon weiße Fahnen gehisst werden, steht die Stadt von den Höhen des Forstes und des Landgrafen unter Artilleriebeschuss von US-amerikanischen Verbänden. Dabei finden mehr als 40 Jenaer den Tod!

12. April

Mit der Sprengung der Camsdorfer Brücke durch die deutsche Wehrmacht ist die Stadt Jena von Mitteldeutschland abgeschnitten. Auch die Hausbrücke in Kunitz, die kleine Wiesenbrücke, die Saalebrücke in Bürgau und die Autobahnbrücke in Göschwitz werden zerstört. Zum Glück ist wenigstens die Paradiesbrücke nach erfolgter Sprengung noch begehbar!

13. April

Die Stadt Jena wird am heutigen Tag kampflos durch US-amerikanische Truppen besetzt.

Damit ist für die Stadt der II. Weltkrieg zu Ende. Neben der Zerstörung der lebensnotwendigen Infrastruktur verzeichnet man 357 total zerstörte Häuser, 150 schwer beschädigt und unbewohnbar, 244 mittelschwer beschädigt und teilweise bewohnbar und 682 leicht beschädigt, welche aber nur teilbewohnbar sind. Mindestens 700 Menschen sterben bei den Bombenangriffen, über 2 000 Söhne der Stadt sind im Krieg gefallen.

17. April

Der Rechtsanwalt Dr. Rudolf Löhnis wird kommissarischer Oberbürgermeister der Stadt Jena.

30. April

Bis zum 27. Mai werden an Erwachsene und Kinder über 4 Jahren folgende Nahrungsmittelrationen ausgeteilt:

300 gr. Fett
6 kg Brot
800 gr. Fleisch
500 gr. Zucker
62,5 gr. Käse
125 gr. Quark
125 gr. Kaffee-Ersatz

Ende Oktober erfolgte dann eine Umstellung der Rationen von Altersgruppen nach Arbeitsleistung in:

Gruppe 1 = Schwerstarbeiter
Gruppe 2 = Schwerarbeiter
Gruppe 3 = Arbeiter
Gruppe 4 = Angestellte
Gruppe 5 = Kinder
Gruppe 6 = sonstiger Verbraucher

11. Mai

Der ehemaligen Oberbürgermeister von Breslau und spätere Ehrenbürger von Jena, Dr. Otto Wagner, wird neuer kommissarischer Oberbürgermeister. Von 1905 – 1908 wirkte er in Jena bereits als zweiter Bürgermeister, von 1934 – 1947 als Direktor der Stiftungssparkasse.

16. Juni

Einheiten der US-Armee beginnen im Zeiss-Werk mit der Demontage von Qualitätsmaschinen und dem Verladung von Patenten und anderem technischen Material zum Abtransport in ihre Besatzungszone.
Dabei werden neben mehr als 18,5 Millionen Reichsmark, ca. 180 000 Patentschriften und mehrere tausend Patentakten in den Westen Deutschlands gebracht.
Diese Maßnahme betrifft auch das Jenaer Glaswerk Schott & Genossen.

21. Juni

Der Personen- und Güterverkehr zwischen Jena-Saalbahnhof – Großheringen ist wieder aufgenommen.

24. Juni

Kurz vor der Übergabe des Landes Thüringen an das sowjetische Oberkommando bringen US-amerikanische Streitkräfte Mitglieder der Geschäftsleitung, führende Wissenschaftler, Konstrukteure, Ingenieure und Verwaltungsspezialisten, insgesamt 125 Angehörige der Firmen ZEISS und SCHOTT, nach Heidenheim in Württemberg. Davon 84 Zeissianer und 41 Glasmacher.


1. Juli

Mit dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte erfolgt der Einmarsch und die Übernahme der Stadtverwaltung Jena durch die Sowjetarmee.

5. Juli

In Jena gründet sich die Liberal Demokratische Partei (LDP).

10. Juli

Durch den sowjetischen Stadt-Kommandanten wird die Bildung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) in Jena genehmigt.

14. Juli

Dr. Heinrich Troeger wird zum neuen Oberbürgermeister von Jena ernannt. Als Bürgermeister tritt der ehemalige Reichstagsabgeordnete und KZ-Häftling von Buchenwald, Karl Barthel, sein Amt an.

17. Juli

Mit großen Einschränkungen erfolgt die Aufnahme des Fernsprechverkehr.

22. Juli

Das Jenaer Zeiss-Planetarium beginnt wieder mit Vorträgen und Vorführungen.

5. August

Als erste Zeitung erscheint in Jena die Thüringer Volkszeitung (KPD). Das SPD-Organ die "Tribüne" folgt als nächste ab dem 15. September.

22. August

Im Volkshaus wird der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Ortsgruppe Jena gegründet.

1. September

Gründung der Christlich Demokratische Union (CDU) in Jena.

2. September

Der erste Eisenbahnzug mit Steinkohle für die Industrie ist in Jena eingetroffen. Diese wird dringend für die Gaserzeugung im Glaswerk Schott benötigt!

13. September

Das Jenaer Stadtheater eröffnete mit dem Stück von Grillparzer "Sappho" seine Spielzeit.


1. Oktober

Im Volkshaus findet für alle Jenaer Schulen eine Eröffnungsfeier zum Schulanfang statt.
Am 8. Oktober beginnt der Unterricht nach folgendem Verteilungsplan:

im Gebäude der Südschule - die Süd- und Westschule
im Gebäude der Ostschule - die Paradies- und Ostschule
im Gebäude der Talschule - die Talschule
im Gebäude der Hilfsschule - die Hilfsschule
im Gebäude der Westschule - die höheren Schulen

Bis auf die höheren konnten im Dezember alle anderen Schulen wieder in ihre eigenen Gebäude ziehen.

15. Oktober

Die Friedrich-Schiller-Universität wird als erste Universität in der sowjetischen Besatzungszone feierlich wieder eröffnet. Erster Nachkriegsrektor ist Prof. Dr. Friedrich Zucker. Aus gegebenem Anlass fand bereits am 14. Oktober im Stadttheater die Aufführung von "Kabale und Liebe" statt.
Die Vorlesungen selbst konnten jedoch erst am 3. Dezember beginnen! Vorher halfen die Studenten und Dozenten in vielen freiwilligen Stunden bei der Trümmerbeseitigung!

5. November

Am Morgen des 5. November verstirbt Grete Unrein, Ehrenbürgerin von Jena und Tochter von Professor Ernst Abbe. Sie war u.a. von 1919-1933 Mitglied im Jenaer Stadtrat und erste Vorsitzende des Haupt-Frauenvereins. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt der Errichtung eines Lyzeums, eines Kinderkrankenhauses, der Jenaer Universität und sozialen Angelegenheiten.

19. November

Mit dem heutigen Tag ist auch in Jena-Ost die Gasversorgung wieder möglich.

25. November

Als eine der wichtigsten Straßen in der Jenaer Innenstadt ist die Johannisstraße von Schutt gesäubert und damit wieder für den Verkehr frei.

26. November

Gründung der sozialen Hilfsaktion "Thüringer Aktion gegen Not" zur Linderung der Sorgen von Ausgebombten, Flüchtlingen und sozial Schwachen.

1. Dezember

Mit der Einreihung der Stadt Jena von der 2. in die 1. Lebensmittelzone verbesserte sich nicht nur die allgemeine Lebensmittelversorgung. Die in Gruppe 6 (sonstige Verbraucher) befindlichen ca. 30 000 Personen bekamen nun auch Fett und Fleisch zugeteilt.

31. Dezember

Zum Ende des Jahres zählt die Stadt Jena 81 355 Einwohner. Darunter befinden sich einige tausend Ausgebombte und Flüchtlinge.




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